Artikel von Gesa Schölgens Wir in der Presse

Rüstige Rentner füllen Lücken in Betrieben

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Peter Tennies ist Wirtschaftsprüfer im Un-Ruhestand: Über das Online-Netzwerk Masterhora sucht er nach neuen Aufträgen - und unterstützt Unternehmen, denen Experten fehlen. Dabei punktet er mit langjähriger Berufserfahrung.

Seit drei Jahren ist Peter Tennies im Ruhestand - aber untätig ist der 62-Jährige noch lange nicht. „Nur mit Theaterbesuchen, Golf spielen und Reisen bleibt man geistig nicht fit“, ist der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater überzeugt. Deshalb arbeitet er weiter, und zwar mindestens fünf Stunden täglich. „Natürlich spielt auch der finanzielle Aspekt dabei eine Rolle“, sagt Tennies, der zuvor eine eigene Kanzlei geführt hat.

Ihm gefällt vor allem das flexible Arbeiten ohne großen Zeitdruck: „Ich bin für mich allein verantwortlich. Ich muss mich auch nicht mehr mit den typischen Personalquerelen herumschlagen, zum Beispiel ganze Nächte durcharbeiten, wenn Mitarbeiter ausfallen.“

Neue Aufträge und Mandanten erhofft sich der in Dortmund lebende Steuerberater über das Internetportal Masterhora, das im Mai 2013 an den Start gegangen ist. Das deutschsprachige Netzwerk hat sich zum Ziel gesetzt, erfahrene Fachkräfte und Unternehmen zusammenzubringen. Sie sollen sich online austauschen, weiterbilden und gemeinsam neue Projekte angehen.

Firmen profitieren von gemischten Teams

Darüber hinaus können ehemalige Mitarbeiter und ihre Arbeitgeber über Masterhora in Kontakt bleiben, damit keine Expertise verloren geht. „Vor allem für kleine und mittelständische Betriebe wird das Netzwerk eine große Stütze sein“, hofft Gründerin und Unternehmensberaterin Marion Kopmann.

Angesprochen werden Experten und Firmen aller Branchen. Aber besonders in den so genannten „MINT“-Bereichen, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, sei der Bedarf an Fachkräften groß, weiß Kopmann.

Diese Lücke könnten bereits ausgeschiedene Mitarbeiter füllen – zum Beispiel, indem sie jüngere Kollegen bei Projekten beraten. „Wir sind überzeugt, dass Unternehmen stark von altersgemischten Teams profitieren können“, sagt Kopmann. Schließlich seien viele Beschäftige auch jenseits der 60 noch geistig fit und produktiv.

Diese Ansicht teilt Steuerberater Peter Tennies. Er stieß durch einen Zeitungsartikel auf Masterhora und registrierte sich dort als einer der ersten Experten im Ruhestand. „Ich denke, dass das Portal im Gegensatz zu Netzwerken wie Xing oder Projektwerk unserer Altersstruktur eher entgegen kommt“, so der Steuerberater.

Denn viele der bekannten Jobbörsen richteten sich vor allem an Auftragnehmer mit umfangreichen IT-Kompetenzen - und sprächen somit eher jüngere Kollegen an. „In unserem Beruf wird man zwar immer mehr mit technischen Fragestellungen konfrontiert. Dafür fehlen den Jüngeren oft die steuerrechtlichen und betriebswirtschaftlichen Erfahrungen“, moniert Tennies. Schließlich reiche es nicht aus, für eine Steuerprüfung oder für die Lösung betriebswirtschaftlicher Fragen nur die entsprechende Software bedienen zu können: „Sie müssen auch verstehen, was Sie da eigentlich tun.“

Hier sieht der Diplom-Kaufmann auch die große Chance für ältere Fachkräfte: Sie punkten mit langjähriger Berufserfahrung und fundiertem Wissen - und geben Unternehmen somit wichtigen geistigen Input. Verschließen dürfe man sich als „alter Hase“ den neuen Technologien natürlich trotzdem nicht: „Kontakte knüpft man heutzutage zumeist über das Internet und nicht mehr persönlich - anders geht es anscheinend nicht mehr“, sagt Tennies.

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